Weshalb Youtube eine Schlüsselrolle in der Öffentlichkeitswahrnehmung Sozialer Arbeit spielen könnte

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Eine Erkenntnis über den Stellenwert von Youtube am gesellschaftlichen Diskurs und welchen Stellenwert die Soziale Arbeit hier einnimmt und einnehmen kann.

Der Vortrag auf welchen sich die folgenden Zeilen beziehen ist am Ende des Beitrags verlinkt.

Im Rahmen meiner Arbeit beschäftige ich mich häufiger damit, wie der Arbeitsalltag von Sozialarbeitenden durch den Einsatz digitaler Mittel erleichtert werden kann. Dabei komme ich immer wieder zu dem Ergebnis, dass das Themenfeld digitale Kommunikation, Social Media, Mediennutzung, und Medienkompetenz zumindest in der Breite noch relativ unterrepräsentiert oder zumindest nicht richtig verstanden zu sein werden.

Dahingehend habe ich soeben den Gedanken gehabt, dass der Mehrwert von Youtube, ganz unabhängig davon was und wer dahintersteckt und welchen Zweck die Plattform als Marketinginstrument einnimmt, gänzlich unerkannt und ungenutzt zu sein scheint.

Immer wieder sehe ich mir gerne (inhaltlich und technisch) qualitativ gute Vorträge auf Youtube an. Darauf stoße ich meistens zufällig beim Stöbern oder Recherchieren. Entgegen meiner sonstigen Haltung bezogen auf das Thema Datenschutz, habe ich mich dazu entschieden den Algorithmus von Youtube dahingehend zu trainieren mir auf meinem Geschmacksmuster basierend, passende Beiträge vorzuschlagen. Sprich mich an dieser Stelle bewusst zu öffnen und den Mehrwert der Plattform im Vordergrund zu sehen. Leider werden mir da niemals erwähnte Vorträge präsentiert und das hat einen einfachen Grund:

Alle diese wichtigen Vorträge und Präsentationen sind wenn überhaupt nur sehr dezent beschrieben. Einen passenden Titel gibt es meist nicht und Tags (Schlagworte) habe ich noch nie gesehen. Der Suchalgorithmus hat somit keine Möglichkeit den Inhalt des Videos zu indexieren und Menschen mit ähnlichem Interessensgebieten vorzuschlagen. Es gibt schlichtweg keinerlei zu verarbeitenden Informationen.

Anhand des Videos mit 137 Aufrufen in ca. 3 Jahren lässt sich das sehr gut ablesen. Ich schätze, dass das das Videomaterial des Vortrags eher um es im eigenen Sinn zu nutzen, hochgeladen wurde. Darauf weist auch der Arbeitstitel „Inklusion Essen“ hin. Menschen die Herrn Becker bei Youtube folgen, werden das Video sehen und ansonsten nur Personen, denen wie mir der Link zugespielt wird.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte hier nicht Handeln kritisieren oder mangelnde Medienkompetenz vorwerfen. Es ist der Zusammenhang, den ich hier sehe. Youtube ist ein Portal was von den aller meisten aktiven Internetnutzer:innen und insbesondere von jungen Menschen sehr frequent verwendet wird. Es ist voll von Müll, produziert von Menschen oder Unternehmen, deren erklärtes Ziel digitale Reichweite ist und diese Videos insofern sehr gut getaggt und beschrieben sind, sodass sie vom Suchalgorithmus Best möglichst verarbeitet werden können. So gut, dass dieser auf Grund von gesellschaftlichen und politischem Druck hin im vergangenen Jahr „entschärft“ werden musste, da er nachgewiesener Maßen zu einer Radikalisierung von Gesellschaft beiträgt. Ebenso voll ist es aber auch mit wirklich wertvollen Inhalten, die bspw. wichtige Kritikpunkte an gesellschaftlichen Missständen darlegen oder herleiten. Diese sind produziert von (vorwiegend) intellektuellen Menschen, deren erklärtes Ziel es eher nicht ist, digitale Reichweite zu generieren und/oder keine Kenntnisse darüber haben, wie dies erreicht werden könnte und deren Videos insofern nicht oder nur schlecht getaggt und beschrieben sind, sodass der Suchalgorithmus keine Chance hat diese überhaupt als wertvoll wahrzunehmen. Das hat nicht nur zur Folge, dass nur wenige Branchen-Interessierte diese Inhalte sehen, sondern auch das bspw. Leitmedien diese Inhalte überhaupt nicht zu Recherchezwecke heranziehen „können“. Darüber hinaus trägt es meines Ermessens nach auch noch dazu bei, dass die öffentliche Wahrnehmung darüber, dass dieser riesige Wirtschaftszweig jeden Tag primär mit Reden und Kaffee trinken verbringt, auch weiterhin manifestiert bleibt.

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